Zwischen Robotern und Hightech-Firmen: Das war die Wirtschaftsdelegation des SWV WIEN nach China
Am 20. August machte sich eine 10-köpfige Wirtschaftsdelegation des SWV WIEN mit Unternehmer:innen aus den Bereichen Gastronomie und Lebensmittelerzeugung, Gewerbe und Handwerk, Kunsthandel, IT, Finanzberatung sowie Hotellerie auf den Weg nach China. Die Delegation unter der Leitung von André Stolzlechner, Vizepräsident des SWV WIEN und der Wirtschaftskammer Wien, hat es sich zum Ziel gesetzt, neue Einblicke in die Hightech-Welt Chinas zu gewinnen und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und China zu vertiefen.
Von Wien direkt nach Xi’an
Die erste Station der Delegation war die 13-Millionen-Einwohner-Stadt Xi’an, die Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Shaanxi. Seit April 2026 bietet China Eastern eine Direktverbindung zwischen Wien und Xi’an an. In rund zehn Stunden Flugzeit erreicht man die historische Kaiserstadt. Sie zählt zu den bedeutendsten Kultur- und Wirtschaftszentren Chinas und ist weltweit vor allem für die Terrakotta-Armee bekannt. Die Stadt markiert den östlichen Endpunkt der Seidenstraße und war Sitz der Herrscher der Zhou-, Qin-, Han- und Tang-Dynastie.
Gleich nach der Landung besuchte die Delegation die historische Stadtmauer, bevor es zum ersten offiziellen Termin ging: einer Austauschveranstaltung mit Unternehmer:innen aus Xi’an. Auch die Teilnehmer:innen der Delegation darunter SWV Österreich Präsident Bernd Hinteregger sowie die Unternehmer Michael Parlesak und Andreas Zizka präsentierten ihr Unternehmen vor den rund 50 anwesenden Wirtschaftstreibenden. Danach gab es Zeit, sich auszutauschen, miteinander ins Gespräch zu kommen und das eine oder andere Geschäft anzubahnen.
Treffen mit dem Bürgermeister von Xi’an
Im Anschluss lud der Bürgermeister von Xi’an, Ye Niuping, zu einem persönlichen Austausch. Über dieses hochkarätige Treffen der österreichischen Delegation mit dem Bürgermeister der Stadt wurde auch im chinesischen Fernsehen berichtet.
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Mehr InformationenHumanoide Roboter in Shanghai
Am nächsten Tag ging es mit einem zweieinhalbstündigen Flug weiter in die Hightech-Metropole Shanghai. Shanghai ist die größte Stadt Chinas, ein globaler Finanzplatz und Sitz zahlreicher internationaler Unternehmen. Das Herzstück bildet die berühmte Uferpromenade Bund, an der Gebäude aus der Kolonialzeit liegen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Huangpu-Flusses erhebt sich die futuristische Skyline des Bezirks Pudong. Hier stehen unter anderem der 632 Meter hohe Shanghai Tower und der Fernsehturm Oriental Pearl Tower mit seinen charakteristischen rosa Kugeln.


Die drei Probleme österreichischer und chinesischer Unternehmen
In Shanghai traf die Delegation die Vertreter der Shanghai Services Federation, die Unternehmen aus Shanghai bei der Internationalisierung unterstützt. Sun Jianping, Präsident der Shanghai Services Federation, skizzierte beim Zusammentreffen die drei großen Probleme, die sowohl chinesische als auch europäische Unternehmen gleichermaßen treffen. „Das sind das Lieferkettenproblem, die globale Erwärmung und die KI-Entwicklung“, so Sun Jianping. Auch der zunehmende Einsatz von KI wird in China als Herausforderung gesehen. Zwar bringt die Technologie zahlreiche Erleichterungen, für die damit verbundenen Herausforderungen am Arbeitsmarkt gibt es jedoch noch keine Lösungen. In Shanghai besuchte die Delegation auch den Humanoid Robot Innovation Incubator und ließ sich die neusten Entwicklungen auf dem Robotermarkt zeigen. Von Robotern, die Kaffee kochen oder im Haushalt helfen, bis hin zu Lösungen für den Pflegebereich reichte die Bandbreite der präsentierten Technologien.
Hightech-Metropole Hangzhou
Die nächste Station auf dem Reiseplan der Delegation war die Stadt Hangzhou, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug lassen sich die 186 Kilometer von Shanghai nach Hangzhou in rund 60 Minuten zurücklegen. Die Delegation zeigte sich vom grünen und sauberen Erscheinungsbild Hangzhous beeindruckt. Die 12 Millionen-Einwohner-Stadt ist unter Chinesen auch als „Paradise City“ bekannt, weil sie eine so hohe Lebensqualität aufweist. Neben Seide und Tee haben sich in Hangzhou auch viele Hightech-Firmen wie BrainCo, Unitree Robotics und Uniview angesiedelt, die wir alle besucht haben.

Auf dem Programm standen in Hangzhou auch eine große Unternehmerkonferenz unter der Leitung von Chen Jianzhong, dem Chairman of CCPIT Zhejiang, der im November 2025 auch Wien und den SWV WIEN besucht hatte.

Quzhou: Konfuzius und Hasenköpfe
Weiter ging es dann mit dem Reisebus nach Quzhou. Die Stadt gilt wichtiges Zentrum der konfuzianischen Kultur im Süden Chinas. Im Gegensatz zur eher milden Küche der übrigen Provinz Zhejiang ist das Essen in Quzhou extrem würzig und scharf. Zu den bekanntesten lokalen Spezialitäten gehören scharf zubereitete Kaninchen-, Enten- und Fischköpfe.
Auch Delegationsleiter André Stolzlechner kam bei einer offiziellen Einladung in den Genuss von Hasen- und Entenköpfen. In Quzhou besuchte die Delegation den Kühlgerätehersteller Snow Village und eine Fischzucht. Beim Handels- und Investitionsforum tauschte sich die Delegation mit rund 60 Unternehmer:innen aus der Region aus. Auch hier wurden wieder wichtige Kontakte geknüpft.

Wenzhou: Heimat vieler nach Wien ausgewanderter Chines:innen
Die letzte Station der Reise führte die Delegation nach Wenzhou, die Heimat vieler heute in Wien lebender Chinesen. Die Küstenregion blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte der Emigration zurück. Schon im frühen 20. Jahrhundert reisten Menschen von dort als Händler oder Seefahrer nach Europa. Zu einem regelrechten Auswanderungsboom kam es in den 1970er-Jahren – damals lockerte die Volksrepublik China die Ausreisebestimmungen. Zwischen 1988 und 1991 durften chinesische Staatsbürger ohne Visum nach Österreich einreisen. Gerade in dieser Zeit wuchs die chinesische Community in Österreich, die heute rund 25.000 Menschen umfasst.
Wenzhou gilt wirtschaftlich als die „Wiege und Hauptstadt der chinesischen Privatwirtschaft“. Während andere Regionen Chinas lange Zeit von staatseigenen Großbetrieben dominiert wurden, setzte Wenzhou aufgrund seiner geografischen Isolation und des Mangels an natürlichen Ressourcen schon früh auf privates Unternehmertum. Mehr als 90 Prozent der lokalen Wirtschaft liegen in privater Hand, ein Großteil der Unternehmen sind auf „Massen-Nischen“ spezialisiert. Wenzhou wurde berühmt für die Produktion großer Mengen von Alltags- und Kleinstgütern wie Knöpfe, Feuerzeuge, Schuhe, Brillen und Reißverschlüsse.
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Mehr InformationenDie Mitglieder der Delegation wurden in Wenzhou von Vizebürgermeister Wang Zhenyong und der lokalen Wirtschaftskammer empfangen. Bei einer Unternehmerkonferenz wurde eine Kooperationsvereinbarung sowie ein Dekret zur österreichisch-chinesischen Freundschaft unterzeichnet.
Weiters besuchte die Delegation den Hersteller von Schalterprogrammen und Sanitärprodukten Taili. Mit dem CEO von Taili wurde ebenfalls eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.
Nach vielen unvergesslichen Eindrücken trat die Delegation schließlich die Heimreise an: Vom Wenzhou Longwan International Airport ging es zunächst nach Xi’an und von dort zurück nach Wien.